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Als Beitrag für den 3. Göttinger Herztag möchte sich die Gesundheitsregion Göttingen/Südniedersachsen dem Thema "Broken-Heart-Syndrom" widmen, da dieses noch recht wenig erforschte Syndrom durch interdisziplinären Austausch z. B. mit der Psychokardiologie, der Psychosomatik der Neurologie und ggf. sogar den Ernährungswissenschaftlern („Liebe geht durch den Magen“) vorangetrieben werden kann. Vernetzung und Innovation sind zwei Faktoren, für die die Gesundheitsregion Göttingen/Südniedersachsen steht und sich mit dem Leitsatz „Der Mensch im Mittelpunkt“ positionieren möchte. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim virtuellen Besuch des 3. Göttinger Herztags. Bitte bleiben Sie gesund!

Das Team von der

Gesundheitsregion Göttingen/Südniedersachsen

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Das Broken-Heart-Syndrom

Es gibt diese Geschichten, die ans Herz gehen: Jeder kennt die Erzählungen von einem älteren Ehepaar, das sein ganzes Leben miteinander verbracht hat. Plötzlich stirbt der Mann und kurz darauf stirbt auch die Frau aufgrund von Herzschmerz und Trauer. Auch aus Trauer um ihren geliebten Tristan erleidet Isolde in der mittelalterlichen Legende den plötzlichen Herztod. In Goethes Roman "Wilhelm Meisters Lehrjahre" verstirbt das Mädchen Mignon an Herzeleid. Auch der Volksmund kennt das gebrochene Herz. „Das sind die klassischen Beispiele eines Broken-Heart-Syndroms“, sagt Katrin Streckfuß-Bömeke von der Universitätsmedizin Göttingen.

Ein gebrochenes Herz bzw. emotionaler Stress kann sich auf die Pumpleistung des Herzens auswirken. Das Herz wird stark von Gefühlen beeinflusst, dafür stehen auch Ausdrücke wie "Herzklopfen", "Herzschmerz" und "gebrochenes Herz". Bei Aufregung steigen Blutdruck und Herzfrequenz, der Herzmuskel pumpt stärker, der Herzschlag wird als Klopfen spürbar. Das kann auf Dauer krank machen. Die Symptome gleichen einem Herzinfarkt, doch im Vergleich dazu tritt das Broken-Heart-Syndrom selten auf. Mediziner nennen das Broken-Heart-Syndrom auch Stress-Kardiomyopathie oder Takotsubo-Syndrom. Japanische Ärzte diagnostizierten die Krankheit erstmals Anfang der neunziger Jahre. Sie beobachteten, dass die Verformung des Herzens, die mit dem Syndrom einhergeht, in vielen Fällen an eine Tintenfischfalle erinnert: einen runden Krug mit kurzem Hals.

Das Broken-Heart-Syndrom ist alles andere als harmlos, in der akuten Phase ist der "Scheininfarkt" genauso dramatisch wie ein echter. Jeder 20. Patient stirbt, jeder 10. erleidet einen sogenannten kardiogenen Schock. Damit ist die Komplikationsrate während der sogenannten Akutphase genauso hoch wie bei einem akuten Herzinfarkt. Die Pumpleistung des Herzens ist stark beeinträchtigt, ein Herzstillstand kann drohen. Auch wenn sich das Herz rasch wieder von selbst erholt, müssen Betroffene für einige Tage auf der Intensivstation überwacht werden, da gefährliche Herzrhythmusstörungen oder Risse im Herzmuskel auftreten können.

Wie es zum sogenannten Broken-Heart-Syndrom kommt, ist längst nicht vollständig geklärt. Doch es gibt neue Erkenntnisse zu den Ursachen. Anlässlich der 84. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Mannheim wurde Fr. Dr. Streckfuß-Bömeke für ihre Arbeit über die Ursachen des „Broken-Heart-Syndroms“ (Takotsubo-Syndrom) ausgezeichnet. Darin befasst sie sich mit den zugrunde liegenden Mechanismen der Erkrankung, die bislang nur wenig erforscht wurden.

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A= Broken-Heart-Syndrom

B= Oktopusfalle

Gesundheitsregion

Göttingen/Südniedersachsen

Fragen an unsere Expert*innen

 

Schützt entzündungshemmende Nahrung vor kardiovaskulären Erkrankungen?

Dr. Suermann: In zahlreichen Studien könnte nachgewiesen werden, dass mediterrane Ernährung in der Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen erfolgreich ist.

Hier können Sie zwei Rezepte herunterladen.

 

Können Aufmerksamkeits- und Entspannungsübungen, wie Resilienztraining, Autogenes-Training, Progressive Muskelentspannung etc. psychisch soweit stabil halten, dass ich im Falle eines Schicksalsschlages vor dem Broken-Heart-Syndrom geschützt bin?

Dr. Streckfuß-Bömeke: Diese Übungen könnten insoweit ein TTS vorbeugen, dass der psychische Stress reduziert wird.

Prof. Dr. Herrmann-Lingen: Dazu gibt es leider noch keine verlässlichen Daten. Wir wissen aber, dass Patienten mit Stresskardiomyopathie (Takotsubo) deutlich gehäuft unter vorbestehenden psychischen Störungen leiden. Hier ist oft eine reguläre Psychotherapie erforderlich. Als unterstützende Maßnahmen neben einer Psychotherapie oder bei erhöhter Stressbelastung ohne Vorliegen einer psychischen Störung sind aber Entspannungs- und Stressbewältigungstrainings in der Regel risikoarm und möglicherweise auch hilfreich zur Vermeidung eines „Broken-Heart“-Syndroms.

 

Gibt es auch nachgewiesene Broken-Heart-Patienten im jungen Alter?

Dr. Streckfuß-Bömeke: Ja die gibt es. Meistens werden die TTS-Events bei jungen Patienten durch sogenannte Epipens (Epinephrin (Adrenalin)-Injektionen) ausgelöst, die in lebensbedrohlichen Situationen gegeben werden.

Prof. Dr. Herrmann-Lingen: Ja, es wurden auch sehr seltene Fälle bei jungen Menschen unter 30 Jahren beschrieben.

 

Wie hoch ist die „Rückfallquote“ nach einer Stresskardiomyopathie?

Dr. Streckfuß-Bömeke: 1.8% pro Patientenjahr.

Prof. Dr. Herrmann-Lingen: Man kann pro Jahr mit Rückfällen bei 1-2% der Betroffenen rechnen. Daneben scheinen aber im Verlauf auch andere Herzkrankheiten vermehrt aufzutreten, sodass eine herzgesunde Lebensweise und Förderung der Stress-Resilienz nach einem Takotsubo jedenfalls zu empfehlen ist.

 

Können Benzodiazepine, also Medikamente die auf die Psyche wirken, präventiv vor einem Broken-Heart-Syndrom schützen?

Dr. Streckfuß-Bömeke: Soweit ich weiß, gibt es keine Studien dazu. Allerdings wird in den ESC-Leitlinien (European Society of Cardiology) für das Takotsubo-Syndrom empfohlen, dass die Vermeidung von psychischem Stress auch ein TTS vorbeugen kann.

Prof. Dr. Herrmann-Lingen: Auch hier fehlen uns leider verlässliche Daten. Es wurden Einzelfälle von Takotsubo sowohl im Rahmen eines Benzodiazepin-Entzugs als auch bei einer Überdosierung von Psychopharmaka incl. Benzodiazepine beschrieben. Inwieweit Psychopharmaka vor einen Takotsubo schützen oder sogar das Risiko erhöhen können, ist umstritten. Keinesfalls sollte eine Benzodiazepin-Medikation als Dauerprophylaxe eingenommen werden, da sie ein hohes Abhängigkeitsrisiko birgt und keinen gesicherten Effekt hat.

 

Wie gefährlich ist das Broken-Heart-Syndrom?

Dr. Streckfuß-Bömeke: In der akuten Phase ist es sehr gefährlich. Es treten bei 21,8 % der Patienten in-house Komplikationen auf, die eine Mortatlitätsrate von bis zu 8 % hervorrufen. Ist dieses intiale Event überstanden, haben die Patienten eine spontane Recovery der Funktionen und verlassen meistens das Krankenhaus ohne bleibende Narben etc.

Prof. Dr. Herrmann-Lingen: Bei angemessener Behandlung erholt sich der Herzmuskel in der Regel innerhalb einiger Tage bis Wochen. In ca. 5% kann das Krankheitsbild jedoch tödlich verlaufen und es bleibt auch mittelfristig ein erhöhtes Komplikationsrisiko bestehen (s.o.)

 

Wie sehr beeinflussen unsere Emotionen/Gefühle unsere Herzgesundheit?

Dr. Streckfuß-Bömeke: Sehr

Prof. Dr. Herrmann-Lingen: Schon die alten Ägypter wussten, dass Trübsinn und Zorn das Herz schädigen können. Auch die moderne Wissenschaft hat zahllose Belege dafür geliefert, dass negative Emotionen wie depressive Verstimmung oder Ärger die Entstehung und den Verlauf von Herzkrankheiten in ungünstiger Weise beeinflussen können. Ihr Effekt ist durchaus mit dem anderer bekannter Risikofaktoren vergleichbar. Umgekehrt tragen stabile zwischenmenschliche Beziehungen und eine positive Lebenseinstellung zu guter Herzgesundheit bei.

 

Wie kommt es, dass häufiger Frauen betroffen sind, obwohl Männer emotional genauso sehr leiden können?

Dr. Streckfuß-Bömeke: Es wird vermutet und erste Studien in Ratten und humanen Herzzellen weisen darauf hin, dass Östrogene eine wichtige protektive Rolle bei der Entwicklung der TTS spielen. Da der Östrogenspiegel bei Frauen nach der Menopause absinkt, sind sehr häufig Frauen nach der Menopause vom TTS betroffen.

Prof. Dr. Herrmann-Lingen: Auch dies ist noch nicht abschließend geklärt, wird aber im Allgemeinen einerseits auf hormonelle Faktoren, etwa den Abfall der Östrogenspiegel nach den Wechseljahren sowie auf das gegenüber Männern häufigere Auftreten von Angststörungen bei Frauen zurückgeführt, die ihrerseits das Takotsubo-Risiko erhöhen.

Entspannungsübungen können psychischen Stress reduzieren und sich positiv auf das Herz auswirken.

Im Video zeigen wir Ihnen Yoga-Übungen zum Stressabbau. Machen Sie mit!